Defragmentierung – verlinkte Landschaften

Eine Landschaft geprägt durch Diversität – Die heterogenen Naturräume sind durch wiederkehrende Elemente verbunden, die eine neues Landschaftserlebnis transportieren und das Gebiet wieder lesbar machen. Ein Entwurf von Agon Beqiri, Mona Borutta, Marco Hoch, Sabine Schmidhuber

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Heide / Wald

Der nördliche Teil des Naturschutzgebietes ist durch den Wechsel von offenen Heide- und dichten Waldflächen bestimmt. Die Kulturlandschaft Heide ist in Hamburg selten. Der Pflege- und Entwicklungsplan sieht vor, die Heidefläche in den nächsten Jahren um bis zu 20% zu erweitern. In der Ausgestaltung der Flächen wird berücksichtigt, dass die Erweiterung wenig Verschattung durch im Süden liegende Waldränder erhält. Auch werden besonders geformte „Baumgestalten“ erhalten, um abwechslungsreiche und interessante Blickbeziehungen zu bieten. Durch die Gestaltungsansätze erlebt der Fußgänger besonders häufig den Übergang von Wald und Heide. Die Momente des Auftauchens, der Neuorientierung und Erlebens neuer Blickwinkel geben diesem Gebiet neue Qualitäten.

Hang

Der mittlere Teil des Naturschutzgebietes ist durch den starken Höhenunterschied der Geestkante geprägt. Entlang dieser Hangkante befinden sich bereits einige Aussichtspunkte mit Blick über die tiefer liegende Elbe. Ein zentral liegender, scheinbarer Aussichtspunkt ist jedoch zugewachsen. Durch das Hinzufügen einer schmalen Stegkonstruktion wird – bei wenig Grüneingriff- die Aussicht und Höhe von oben neu erlebbar. Auch vom Strand aus sieht man die Spitze des Steges, wie auf dem Titelbild erkennbar, sodass Besucher angeregt werden, diesen Ort zu besuchen und auch die obere Kante des Gebietes zu entdecken. Der Steg bietet somit nicht nur einen Aussichtspunkt, sondern auch einen mentalen und visuellen Verbindungspunkt zwischen Oben und Unten.

Ufer

Der südliche Teil des Naturschutzgebietes ist die Uferzone, welche durch das Aufeinandertreffen verschiedener Natur- und Nutzungszonen unterschiedlichster Qualitäten geprägt ist. Es gibt u.a. den Elbstrand mit Steg und Wellenbrechern, die Elbwiesen mit Zäunen und Entwässerungsgräben, die Teiche und einen großen Parkplatz. Dieser zentrale Ort im NSG wird aufgewertet und die teilweise unscheinbaren Naturräume, wie die Teiche und Elbwiesen, werden vergrößert und sichtbarer inszeniert, indem sie näher an das Zentrum rücken. Der neue zentrale Platz, welcher als Treffpunkt fungiert, dient als Bindeglied. Die Elbwiesen werden durch visuell nicht wahrnehmbare Gräben geschützt und entwässert und durch das Motiv der Stege „begehbar“ gemacht. Der Platz liegt wie die bebauten Grundstücke als eine Bastion im Gebiet, getrennt durch eine Überflutungskante zu den Wiesen.

 

Ankunft

Neben den unterschiedlichen Zonen wird das Gebiet und die Erlebbarkeit durch die Ankunftssituationen und Wegeführung geprägt. Die Auslagerung der Parkplätze an die Eingänge des NSG bietet die Möglichkeit, den zentralen Ankunftsort am Strand neu zu bespielen, gestalten und naturräumlich zu inszenieren. Außerdem werden die Besucher zu neuen Erlebnispunkten wie dem Aussichtsteg geführt. Statt einer Konzentration am Strand verzahnt sich das Gebiet so mehr.  Eine gute Erreichbarkeit ist mit dem Fahrrad oder mit der neuen Buslinie gewährleistet. Die Gestaltung des Platzes als Treffpunkt und Bündelung der Infrastrukturen machen den Raum einfacher lesbar und bieten einen guten Ausgangspunkt für Erkundungstouren im NSG.

 

Zentraler Platz

Durch die Verlagerung des Parkplatzes wird ein zentraler Ankunftsort im Gebiet geschaffen, der visuell die Landschaften miteinander verknüpft und die notwendige Infrastruktur des Ortes stellt.

Das Gebäude im Südwesten des Platzes besteht aus einer luftigen Gitterkonstruktion, die im Laufe der Zeit von der Natur überwachsen wird. Es stellt die Wartebereich für die neu geschaffene Bushaltestelle im Naturschutzgebiet, bietet Informationen über die naturräumlichen Gegebenheiten, und im Obergeschoss kann man sich mit Erfrischungen verpflegen. Es ragt wie ein Steg in die Elbwiesen hinein, dient als Aussichtsplattform und lässt den Besucher über der Landschaft schweben.

Die Toiletten befinden sich ausgelagert, und somit hochwassergeschützt an der Ursprungsstelle um mit den vorhandenen Leitungen zu arbeiten.

 

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Durch Eingriffe im Gebiet werden Ankunftsräume geschaffen, die auch zur Orientierung beitragen. Die heterogenen Naturräume sind durch die wiederkehrenden Elemente verbunden, die eine neues Landschaftserlebnis transportieren und das Gebiet wieder lesbar machen. Es entsteht ein Naturschutzgebiet das dem Besucher und den vorhandenen Naturräumen gerecht wird.

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